Themenabende „Am Ende unseres Weges“

Es ist jetzt schon Tradition geworden, dass die Hospizgruppe zusammen mit Herrn Nowottny von der Caritas, Herrn Heintz von der Diakonie und Frau Rode (Stadtbibliothek) im Oktober eines jeden Jahres vier Themenabende zum o.a. Thema gestaltet. Im letzten Jahr konnte coronabedingt nur ein online-Vortrag stattfinden. Umso glücklicher waren wir, dass in diesem Jahr unter 2G-Bedingungen alle Veranstaltungen im Jungen Theater Eschwege stattfinden konnten und auch auf großes Interesse stießen. Durch Spenden verschiedener Organisationen werden diese Abende finanziert, der Eintritt ist deshalb kostenfrei.

 

Bei der Planung der Abende versuchen wir immer, die Öffentlichkeit mit verschiedenen Darstellungsformen an dieses Thema heranzuführen, was uns auch in diesem Jahr gut gelungen ist. Hier ein kleiner Überblick:

 

1. Abend: Theaterstück „Gift“ von Lot Vokemann im Jungen Theater

 

Zehn Jahre nach dem Tod ihres gemeinsamen Kindes begegnen sich ein Mann und eine Frau auf dem Friedhof wieder. Eine Umbettung des Leichnams ist aufgrund von Giftfunden im Boden angeblich notwendig geworden. Neun Jahre haben sich beide nicht gesehen,

 

„Ist das nicht erstaunlich, dass wir jetzt zum ersten Mal darüber reden?“, sagt der Mann. Beide haben die Trauer um ihr Kind unterschiedlich erlebt und waren nicht in der Lage, sie miteinander zu teilen.

Dies sehr emotionale und bedrückende Stück wurde vom Ehepaar Karin und Sebastian Perels sehr eindrucksvoll auf die Bühne gebracht. Das Publikum war sehr berührt und nahm die Gelegenheit zum anschließenden Austausch über das Gesehene gerne wahr.

 

2. Abend: Vortrag von Heiner Melching „Mann, wie trauerst du?… Anders als deine Frau?

 

Mit dieser Frage knüpfte der Vortrag von Heiner Melching, Geschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin und ehemaliger Leiter der Beratungsstelle des Vereins „Verwaiste Eltern“ direkt an das Theaterstück der Vorwoche an.

 

Auch bei der Trauer werden vom Umfeld unterschiedliche Erwartungen an Männer und Frauen gestellt, so eine These von Heiner Melching. Männern würde in der Trauerphase oft die Frage gestellt „Wie geht es deiner Frau?“ oder sie werden mit der Erwartung konfrontiert, jetzt stark sein zu müssen. Damit würden ihnen von vornherein Ausdrucksmöglichkeiten genommen. Mit seiner provokanten Äußerung „Kommen wir zum Äußersten: Fragen wir den Betroffenen selbst!“ plädiert er dafür, den Trauernden keine Rat“schläge“ zu erteilen, sondern die Erlaubnis für alle Ausdrucksformen zu geben (Schweigen, Rückzug, Weinen, Ablenkung usw.), sie zu akzeptieren und immer für ein Gespräch offen zu sein. Heiner Melchings Vortrag basierte auf einem reichen Erfahrungsschatz. Er ging offen auf alle Fragen und Anregungen des Publikums ein und lud mit seiner humorvollen Art zu einer intensiven Auseinandersetzung mit diesem Thema ein.

 

3. Abend: „Letzte Lieder“ mit Stefan Weiller

 

Weillers These: Musik begleitet unser Leben und wir verbinden viele unserer Lebenssituationen und Erfahrungen mit ganz bestimmten Liedern. Sobald wir sie hören, entstehen auch Bilder und Gefühle. In vielen Gesprächen mit Menschen am Lebensende, die Weiller in Hospizen besuchte, knüpfte er an das Thema Musik an. So gelang es ihm, mit ihnen sehr offen über ihre Lebenserfahrungen und -einstellungen, ihre Wünsche und Ängste, aber auch Sehnsüchte zu sprechen. Diese Gespräche hat er zu einem Hörbuch verarbeitet, in dem auch die „letzten Lieder“ zu hören sind. Mit viel Humor berichtete er, wie diese Begegnungen mit den Sterbenden seinen eigenen Blick auf das Leben veränderten und welche Kraft und Stärke diese Menschen noch ausgestrahlt haben.

 

4. Abend: Lesung „Alles, was passieren wird“ von und mit der Autorin Katharina Hacker

 

In diesem ihrem ersten Jugendbuch beschreibt die Autorin Katharina Hacker den Umgang einer 14-Jährigen mit dem Tod ihrer Mutter. „Alles war so stumpf, nichtssagend.“ Mit dem Vater kann sie nicht reden, der ihr verbietet, den Mantel ihrer Mutter zu tragen oder an deren Sekretär zu sitzen. Sie findet halt bei einer Freundin und vor allem in der Sorge um zwei Hunde und ein Pferd. Katharina Hacker ist es in ihrem Buch auf einfühlsame Weise gelungen, auch Jugendlichen das Thema Tod und Trauer nahezubringen.