Ehrenamtliche Ausbildung zum Hospizbegleiter

 

Häufig gestellte Fragen

 

 

Wie sieht die Ausbildung genau aus?

 

 

Die Ausbildung umfasst einen Grundkurs (August bis Oktober), eine Praktikumsphase

(25 Stunden) und einen Vertiefungskurs (Januar bis März). Im Grundkurs werden

grundlegende Themen der Sterbebegleitung (eigener Umgang mit Sterben, Tod und

Trauer, Trauerphasen, Rituale, Spiritualität u.ä.) angesprochen und vielfältige Partner- und

Gruppenübungen zum Aktiven Zuhören, Wahrnehmen, zur non-verbalen Kommunikation,

Gesprächsführung durchgeführt.

 

In der Praktikumsphase begleitet man einen Menschen in einem Seniorenheim.

 

In der Vertiefungsphase steht das Thema „Loslassen“ im Vordergrund. Es ist ein Besuch beim Bestatter, eine Friedhofsführung und die Auseinandersetzung mit Patientenverfügungen, Versorgungsvollmachten, Pflegeversicherung u.ä. vorgesehen.

 

Die Termine werden langfristig bekannt gegeben, sodass eine individuelle Planung möglich wird.

 

 

Was macht ein Hospizbegleiter eigentlich genau?

Ein Hospizbegleiter besucht in regelmäßigen Abständen, meist einmal wöchentlich, die zu begleitende Person. Dabei kommt es darauf an wahrzunehmen, in welcher körperlichen und seelischen Verfassung dieser Mensch oder auch die Angehörigen sind und was dieser Mensch sich wünscht. Die Hospizbegleiter lassen ihn soweit wie möglich noch am Leben teilhaben – durch Gespräche, Unterstützung bei Spaziergängen, Vorlesen, Musizieren, Fotos anschauen und vieles mehr. Dies hängt auch von der Person des Ehrenamtlichen (Neigungen, Interessen, Fähigkeiten u.ä.) ab. Vielleicht ist es auch manchmal nur gewünscht, dass man die Person in Ruhe lässt, sie aber dennoch den Eindruck hat, nicht allein zu sein. Wir schenken im weitesten Sinne also Zeit und sind offen für die Bedürfnisse unseres Gegenübers. Das kann sich eben sehr unterschiedlich gestalten.

 

Was ist mit der Angst vor der ersten Begegnung?

Die Koordinatorinnen kennen die Ehrenamtlichen durch die Ausbildung sehr gut und haben ein sicheres Gespür dafür, welche/r Ehrenamtliche/r zu welchem Patienten passt. Dennoch bleibt ein Erstbesuch immer spannend, denn man weiß ja nicht, was einen erwartet. Ganz freimachen kann man sich nicht von der Befürchtung, dass es „nicht passt“, d. h., dass der Aufbau einer Beziehung nicht möglich erscheint. Deshalb geschieht der Erstkontakt immer in Begleitung einer Koordinatorin. Es ist auch wichtig, dass wir offen auf die Personen zugehen und ihnen mit Interesse und Wertschätzung begegnen, und es ist manchmal erstaunlich, wie gesprächsbereit diese häufig schon beim ersten Kontakt sind. Natürlich funktioniert eine Begleitung nicht immer, es können Ablehnungen von beiden Seiten erfolgen. Das ist aber auch in Ordnung und dann wird nach einer anderen Lösung gesucht. Niemand muss eine Begleitung übernehmen, wenn er ein schlechtes Gefühl dabei hat. Wichtig ist, dies auf jeden Fall anzusprechen.

 

Warum entscheidet man sich, als Hospizbegleiter/in tätig zu sein?

Viele Menschen äußern sich gegenüber Hospizbegleitern so: „Das könnte ich nicht!“ oder „Immer mit Sterben und Trauer zu tun zu haben – wie hält man das aus?“ Dazu einige Anmerkungen von ehrenamtlichen Hospizbegleiter/innen.

 

Ich war ganz selten in der Todesstunde bei Patienten. Natürlich erleben wir Leid, Verzweiflung oder Kämpfe, aber auch Frieden und Gelassenheit. Am Lebensende einfach da zu sein, zuzuhören, zu verstehen und Wertschätzung entgegenzubringen, eröffnete mir selbst neue Perspektiven und Sichtweisen. Bei jeder Begleitung erlebe ich etwas Neues, lerne mein Leben neu schätzen und spüre Hochachtung und Respekt vor dem Erlebten. Das empfinde ich als große Bereicherung.“

 

Ich begleite seit einem Jahr eine ältere Dame in einem Seniorenheim. Von Besuch zu Besuch entwickelte sich mehr Nähe und Vertrauen. Wir trinken zusammen Kaffee, erzählen, gehen spazieren, einmal waren wir zusammen im Kino. Sie wartet jede Woche schon auf mein Erscheinen und ihr Lächeln, wenn ich den Raum betrete, ist ein Geschenk für mich.“

 

Bei einer Begleitung konnte die alte Dame nach einem Schlaganfall nicht mehr sprechen. Ich hatte Angst, mit ihr überhaupt nicht in Kontakt zu kommen. Ich merkte aber schnell, dass sie durch ihre Mimik ihre Gefühle und aktuelle Stimmung sehr genau ausdrücken konnte. Von ihrem Sohn erfuhr ich, dass sie sehr gerne Musik, vor allem Wanderlieder, hörte. Da ich nicht sehr gut singen kann, nahm ich eines Nachmittags meine Blockflöte mit und spielte ihr ein Lied vor. Sie lächelte und deutete an, dass sie gern noch mehr hören wollte. Also spielte ich weiter. Als ich aufhörte, applaudierte sie – soweit sie es konnte – mit ihren Händen und winkte zum Abschied. Das war ein tolles Gefühl. Es gab auch Situationen, in denen sie mich nicht sehen wollte, dann kniff sie die Augen fest zu und reagierte auf keine Ansprache. Auch das musste ich akzeptieren. Aber in den letzten Tagen vor ihrem Tod, in denen sie zunächst sehr unruhig war, hatte ich das Gefühl, dass sie ruhiger wurde, wenn sie meine Nähe spürte. Das war ein wunderschönes Gefühl.“

 

Ich nehme nach Absprache meinen kleinen Hund mit zur Begleitung. Er lässt sich gern streicheln und die Freude ist immer riesengroß, wenn ich ihn dabei habe.“

 

 

Wie viele Begleitungen hat ein/e Hospizbegleiter/in?

Normalerweise geht man von einer Begleitung aus, die regelmäßig stattfinden sollte. Manche Ehrenamtliche erklären sich auch bereit, weil sie genügend Zeit und Kraft haben, gleichzeitig noch eine weitere Begleitung zu übernehmen. Wenn eine Begleitung besonders belastend war oder sich private Lebensumstände ändern, können Ehrenamtliche auch immer eine Pause einlegen. Sie melden sich dann wieder, wenn sie zu einer neuen Begleitung bereit sind. Die Koordinatorinnen achten sehr darauf, dass Ehrenamtliche sich nicht überlasten und fragen auch immer wieder nach.